Lebensmittelabfälle werden häufig durch aerobe Kompostierung verwertet, doch die Reaktionen des wasserlöslichen organischen Kohlenstoffs (WSOC) in verschiedenen Molekulargewichtsfraktionen sind noch unzureichend erforscht. Ziel dieser Studie war es, zu quantifizieren, wie unterschiedliche Kompostierungsstrategien die Verteilung und Zusammensetzungsentwicklung von WSOC beeinflussen und die wichtigsten physikalisch-chemischen Faktoren zu identifizieren. Lebensmittelabfälle wurden 30 Tage lang konventionell kompostiert (CK), 15 Tage lang mittels phasenweiser Beimpfung behandelt (JJ; 2 % (w/w) antioxidatives Konsortium, dominiert von Bacillus/Pseudomonas, gefolgt von 2 % (w/w) thermophilem cellulolytischem Konsortium, angereichert mit Geobacillus/Paenibacillus, bei Erreichen einer Temperatur von 50 °C) und 24 Stunden lang schnell thermophil kompostiert (RC; 2 % (w/w) Beimpfung mit einer 24-stündigen Feucht-Wärme-Vorbehandlung). RC lieferte ein Produkt mit hohem Anteil an niedermolekularem organischem Kohlenstoff (SMOC) und geringer Aromatizität, wobei Molekulargewicht < 5 kDa 68.21 % ausmachte (MW < 500 Da: 28.50 %). JJ reicherte bevorzugt oxidierte, fulvinsäureartige/carboxylreiche organische Verbindungen an, wodurch der Anteil der fulvinsäureartigen Verbindungen von 15.97 % auf 35.40 % stieg und das Verhältnis von HMOC zu SMOC auf 2.72:1 anstieg. CK zeigte die stärkste Humifizierung, wobei Molekulargewicht > 5 kDa 65.56 % erreichte und der Anteil der huminsäureartigen Region V von 26.25 % auf 66.36 % zunahm. Der pH-Wert war der primäre Prädiktor für das Molekulargewicht (Tag 6: CK 3.9; JJ 4.9; Endwert ~8.8), während die Temperatur die Bildung huminsäureartiger Verbindungen in RC mitbestimmte.

1. Einleitung
 
Angetrieben durch die globale Wirtschaftsentwicklung und den steigenden Konsum hat die Menge an Siedlungsabfällen, insbesondere Lebensmittelabfällen, weltweit rasant zugenommen. Im Jahr 2022 fielen global rund 1.02 Milliarden Tonnen Lebensmittelabfälle an, die erheblich zu den Treibhausgasemissionen beitrugen. Die aerobe Kompostierung bietet eine effektive Methode, Lebensmittelabfälle zu stabilisieren und leicht abbaubare organische Stoffe in humifizierte und agronomisch vorteilhaftere Formen umzuwandeln. 
 
Dennoch ist die Umwandlung organischer Kohlenstofffraktionen, einschließlich der Veränderungen der Molekulargewichtsverteilung und der Zusammensetzung während der Kompostierung, noch unzureichend erforscht, was die Prozessoptimierung und die Produktqualitätskontrolle erschwert. Aufgrund ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts und des reichlich vorhandenen organischen Materials können Lebensmittelabfälle als vielversprechender Rohstoff für die Energiegewinnung oder die Düngemittelproduktion betrachtet werden. Folglich gilt die effiziente Verwertung von Lebensmittelabfällen als zentrale Herausforderung für das Umweltmanagement und die nachhaltige Entwicklung.
 
Unter den verschiedenen Behandlungsstrategien ist die aerobe Kompostierung aufgrund ihrer etablierten Technologie und des agronomischen Werts der resultierenden Produkte weit verbreitet. Bei der Kompostierung wird organische Substanz biochemisch in stabilisierte Huminstoffe umgewandelt, wodurch Umweltrisiken gemindert und gleichzeitig Nährstoffe recycelt werden. Die konventionelle Kompostierung ist jedoch oft durch einen langsamen Anlauf und lange Verarbeitungszyklen eingeschränkt, insbesondere bei der Zersetzung schwer abbaubarer Bestandteile wie Lignin. Die Zugabe exogener mikrobieller Gemeinschaften wird eingesetzt, um die Humifizierung zu beschleunigen, die Umwandlung organischer Substanz zu verbessern und die Kompoststabilität zu erhöhen.
 
Das Molekulargewicht ist ein entscheidender Faktor für die Bioverfügbarkeit und die funktionelle Rolle von organischem Kohlenstoff in Umweltprozessen. Organischer Kohlenstoff mit einem Molekulargewicht unter 600 Da wird als niedermolekularer organischer Kohlenstoff (SMOC) klassifiziert. Dieser wird leicht in mikrobielle Zellen aufgenommen und kann direkt an Stoffwechselprozessen teilnehmen, wodurch er eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf spielt. Im Gegensatz dazu ist hochmolekularer organischer Kohlenstoff (HMOC, MW > 5 kDa), zu dem Lignin und Huminstoffe gehören, in der Regel schwerer abbaubar und muss enzymatisch abgebaut werden, um bioverfügbar zu werden. Während der Humifizierung wird SMOC vorwiegend in den frühen Stadien verbraucht, während sich HMOC durch Kondensation und Aromatisierung allmählich anreichert und schließlich stabile Huminstoffe bildet. Diese Betrachtungsweise basierend auf dem Molekulargewicht ist wesentlich für das Verständnis der Humifizierungsmechanismen und die Optimierung der Verwertung organischer Abfälle.
 
Biologische Behandlungen können die Dynamik organischer Kohlenstofffraktionen modulieren und dadurch die Humifizierungsergebnisse beeinflussen. Die Zugabe exogener mikrobieller Konsortien fördert nachweislich den Abbau organischer Substanz, erhöht die Bildung von SMOC und beschleunigt die Synthese von Huminstoffen, wodurch der Kompostierungszyklus verkürzt wird. Der Humifizierungsprozess lässt sich in drei miteinander verbundene Wege unterteilen: SMOC wird entweder direkt von Mikroorganismen assimiliert, durch Kondensation in Huminstoffvorstufen umgewandelt oder zu anorganischen Produkten (CO₂, H₂O, NH₃) mineralisiert. Dementsprechend kann die Umwandlung zwischen SMOC und HMOC durch biologische Behandlungen direkt reguliert werden, was letztendlich die Zusammensetzung, die molekularen Eigenschaften und die Qualität der entstehenden Huminstoffe bestimmt.
 
Das Wesen der Kompostierung liegt in der Mineralisierung und strukturellen Entwicklung wasserlöslicher organischer Substanz (WSOM), die hochreaktiv ist und als primäre Schnittstelle für den mikrobiellen Stoffwechsel dient. WSOM besteht aus einem heterogenen Gemisch aus leichtem organischem Kohlenstoff (SMOC, z. B. Aminosäuren, Monosaccharide) und schwerem organischem Kohlenstoff (HMOC, z. B. Huminstoffe, Proteine, Polysaccharide und Lignin) und ist durch diverse funktionelle Gruppen (z. B. Carboxyl-, Phenol-, Carbonyl- und Amingruppen) charakterisiert. Veränderungen in der WSOM-Zusammensetzung können mikrobielle Stoffwechselwege beeinflussen und zu Verschiebungen in der Struktur und Funktion der mikrobiellen Gemeinschaft führen. Die Aufklärung der dynamischen Veränderungen und der strukturellen Abfolge organischer Kohlenstofffraktionen in WSOM ist daher entscheidend für das Verständnis der Humifizierungsmechanismen und die Steigerung der Effizienz der Verwertung organischer Abfälle. Spektroskopische, chromatographische, massenspektrometrische, elektronenmikroskopische und elektrochemische Techniken wurden bereits umfassend angewendet, wobei sich spektroskopische Ansätze als besonders vielversprechend für die Charakterisierung organischer Kohlenstofffraktionen, funktioneller Gruppen und deren struktureller Entwicklung erwiesen haben.
 
Konventionelle Bodenverbesserungsmittel zielen typischerweise darauf ab, die Bodenaggregatstruktur zu verbessern und basieren daher primär auf hochmolekularem organischem Kohlenstoff (HMOC). Die Rolle von mikrobieller organischer Substanz (SMOC) bei der Stimulierung des mikrobiellen Stoffwechsels und der Förderung des Nährstoffkreislaufs wurde hingegen bisher wenig beachtet. Ausgehend von dieser Forschungslücke zielt die vorliegende Studie nicht auf die Wirksamkeit von Bodenverbesserungsmitteln ab, sondern etabliert ein fraktionsbasiertes Charakterisierungsmodell, um zu quantifizieren, wie verschiedene Kompostierungsstrategien die Kohlenstofffraktionen der wasserlöslichen organischen Substanz (WSOM) verändern. Konkret vergleichen wir konventionelle Kompostierung (CK), phasenweise Impfung (JJ) und ein thermophiles Kurzzyklusverfahren (RC) durch die Kombination von ultrafiltrationsbasierter Molekulargewichtsfraktionierung mit EEM-FRI/PARAFAC, FTIR-Funktionsgruppenprofilierung und UV-Vis-basierten optischen Indizes. Wir gehen davon aus, dass diese Strategien unterschiedliche Transformationsverläufe der WSOM aufweisen, die sich in Unterschieden in der Molekulargewichtsverteilung und den spektroskopischen/optischen Signaturen sowie deren Korrelation mit wichtigen physikochemischen Parametern (pH-Wert, Temperatur, organische Substanz und TOC) widerspiegeln. Standardisierte Qualitätskriterien für Kompost (z. B. Nährstoffe, Schwermetalle, Phytotoxizität) und Endpunkte der Boden-/Pflanzenleistung wurden hier nicht bewertet und werden daher als Prioritäten für eine zukünftige Validierung identifiziert.
 
2. Materialen und Methoden
 
2.1 Probenentnahme und -vorbereitung
 
Lebensmittelabfallproben wurden aus örtlichen Cafeterien gesammelt und homogenisiert. Die erste Charakterisierung umfasste den Feuchtigkeitsgehalt, den gesamten organischen Kohlenstoff (TOC), den Gesamtstickstoff (TN) und das C/N-Verhältnis.
 
2.2 Kompostierungsexperiment
 
Die Kompostierung erfolgte in isolierten 50-Liter-Reaktoren unter kontrollierten Belüftungs- und Feuchtigkeitsbedingungen. Temperatur, pH-Wert und Feuchtigkeitsgehalt wurden täglich überwacht. Proben wurden in wichtigen Kompostierungsstadien entnommen: Anfangsphase (Tag 0), thermophile Phase (Tag 5–15), Abkühlungsphase (Tag 20) und Reifephase (Tag 40).
 
2.3 Fraktionierung von organischem Kohlenstoff
 
OC wurde mittels Ultrafiltrationsmembranen in drei Molekulargewichtsklassen fraktioniert: hoch (>10 kDa), mittel (1–10 kDa) und niedrig (<1 kDa). Jede Fraktion wurde hinsichtlich Konzentration, chemischer Zusammensetzung mittels Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie (FTIR) und Humifizierungsgrad analysiert.
 
2.4 Datenanalyse
 
Die Veränderungen der OC-Fraktionen im Laufe der Zeit wurden statistisch analysiert, um Trends und Korrelationen mit Kompostierungsparametern zu identifizieren.
 
3. Resultate und Diskussion
 
3.1 Dynamik der OC-Fraktionen
 
Hochmolekularer Kohlenstoff nahm während der thermophilen Phase deutlich ab, was auf einen raschen mikrobiellen Abbau labiler Polysaccharide und Proteine ​​hindeutet. Mittelmolekulare Fraktionen zeigten einen allmählichen Rückgang und trugen zur Huminstoffbildung bei. Niedermolekularer Kohlenstoff nahm zunächst aufgrund des Abbaus größerer Moleküle zu, sank jedoch während der Reifungsphase, da er von Mikroorganismen mineralisiert wurde.
 
3.2 Humifizierung und chemische Zusammensetzung
 
Die FTIR-Analyse zeigte eine erhöhte Aromatizität und Komplexität der funktionellen Gruppen in den Fraktionen mit mittlerem und hohem Molekulargewicht, was auf deren Umwandlung in huminstoffähnliche Substanzen hindeutet. Der Humifizierungsindex stieg stetig an und bestätigte somit die Stabilisierung des Komposts im Laufe der Zeit.
 
3.3 Auswirkungen auf das Kompostierungsmanagement
 
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich durch die Kontrolle des Verhältnisses der Molekulargewichtsfraktionen die mikrobielle Aktivität und die Humusbildung optimieren lassen. Strategien wie die Anpassung von Belüftung und Feuchtigkeit während der thermophilen Phase können die Umwandlung von hochmolekularem organischem Kohlenstoff in stabile Huminstoffe fördern.
 
4. Fazit
 
Organischer Kohlenstoff im Kompost aus Lebensmittelabfällen durchläuft signifikante Umwandlungen in verschiedenen Molekulargewichtsfraktionen. Hochmolekulare Fraktionen werden schnell abgebaut, während mittel- und niedermolekulare Fraktionen eine entscheidende Rolle bei der Humifizierung und Stabilisierung des Komposts spielen. Das Verständnis dieser Dynamiken kann die Kompostierungseffizienz und die Produktqualität verbessern.